Manfred Voss | Biografie

„Fotografie und Lichtgestaltung – eine Leidenschaft, die mich wieder und wieder aufs Neue überrascht, mich herausfordert und mir absolut einzigartige Momente beschert, die ich außer im Leben mit meiner Familie sonst nirgends so intensiv erfahre.“

 

Wie der erste Kuss einer Jugendliebe

Wenn ich auf den Auslöser meiner Kamera drücke, liegt meist ein spannender und langer Weg hinter mir – im übertragenen und wörtlichen Sinne.

Der Weg beginnt meist mit einem Gefühl, einer Idee, einer Inspiration. Ist das Motiv im Kopf gereift und alle Variablen recherchiert begebe ich mich auf die Reise. Es zieht mich an diesen einen Ort der Welt, den ich live  erleben und in einem einzigen Bild festhalten  möchte. Dort angekommen, sehe ich dem kurzen Augenblick entgegen, in dem das Licht der Natur vollkommen ist und dem Motiv eine überwältigende Kraft einhaucht. Wenn alle Variablen passen drücke ich auf den Auslöser und spüre, dass ich einen einzigartigen Moment festgehalten habe. Einen Moment voller Magie und Intensität – wie der erste Kuss einer Jugendliebe.

Bibelstunden im Garten

Aufgewachsen bin ich in Flensburg. Meine ersten Fotos machte ich 1971 – im Alter von acht Jahren – mit einer Kamera, die mir mein Vater geschenkt hatte. Schon damals keimte in mir die Begeisterung für Landschaftsmotive, die ich auf den vielen Familienreisen fotografierte. In der Dunkelkammer im heimischen Keller entwickelte ich die Prints selbst.

Meine erste eigene Ausstellung zeigte ich mit 11 Jahren in einem Flensburger Jugendzentrum. Die Fotos waren auf einer kirchlichen Jugendreise entstanden, heimlich während der täglichen Bibelstunden. Sie drehten sich um Dinge, die mich als 11-Jährigen mehr bewegten als die eigentliche Bibelstunde: ein angekauter Bleistift, mit Herzen bedruckt und neben einer Bibel im Gras liegend, oder das lockige, sonnendurchflutete Haar eines Mädchens, das im Garten ein Kirchenlied singt. Wieder ist es die Natur, die mich inspiriert. Hätten die Bibelstunden nicht im Garten, sondern in der Kirche stattgefunden, so weiß ich heute, hätte ich kein einziges Bild gemacht.

Zum ersten Mal Kameramann

Als ich 15 Jahre alt war, hielt ich meine erste komplette, professionelle Spiegelreflexkameraausrüstung in den Händen. Drei Jahre lang wurde dafür das gesamtes Taschen- und Geburtstagsgeld gespart und in den drei Sommerferien am Fließband Rumflaschen in Kartons gepackt. Mit 17 fing ich an mich zusätzlich dem Filmen zu widmen. Gemeinsam mit Schulfreunden und mit Hilfe der Filmförderung Schleswig-Holstein wurde ein 90-minütiger Spielfilm gedreht – alles auf Zelluloid, wohlgemerkt. Als verantwortlicher Kameramann liebte ich es schon damals all das , was Inhalt und Anmutung einer Szene ausmacht bildlich/fotografisch zu gestalten. Das ambitionierte Schülerprojekt dauerte eineinhalb Jahre.

Aufs Meer mit Kamera und Keyboard

Nach dem Abitur ging es auf das Segelschulschiff Gorch Fock und ich reiste neun Monate lang um die Welt. Die winzige Koje, nicht größer als ein Einzelbett, teilte ich mir mit meiner Fotoausrüstung und einem Keyboard. Denn die Musik ist eine weitere große Leidenschaft, die mich schon seit Kindheitstagen begleitet. Als 6-Jähriger begann ich Klavier zu spielen. Wenig später folgten Klarinette und Saxofon.

Auf der Gorch Fock nutze ich die vielfätigen fotografischen Möglichkeiten einer solchen Reise. Ich durfte z.B. mehrmals mit meiner Kamera den Mast besteigen. So erfüllte sich mein Wunsch, mitten auf dem Atlantik – von der 48 Meter hohen Mastspitze eines fahrenden Segelschiffs – die Erdkugel zu fotografieren.

Ausbildungszeit

Zurück an Land galt es, einen Beruf zu wählen. So zog ich 1986 nach Düsseldorf und absolvierte das Studium zum Diplom-Ingenieur für Ton- und Bildtechnik mit Spezialisierung auf Licht- und Bildgestaltung sowie Mediendramaturgie.

Poesiealbum und Tagebuch des Lebens

In meinem Leben war und ist die Fotografie ein ständiger Begleiter – in der Heimat und in der Fremde. Über 35 Länder habe ich inzwischen bereist, und jedes einzelne hier entstandene Bild ist eine Hommage auf die Schönheit der Welt und ein sehr persönlicher Moment meines Lebens.


Beim Fotografieren folge ich nur mir selbst, reduziere mich auf ein einziges Bild, einen einzigen Moment, den ich gerne mitnehmen möchte – ohne Kompromisse und frei von der allgegenwärtigen Zeitnot der modernen Welt. Was mich innerlich berührt und was ich als Mensch so liebe, zeige ich nur in meinen ganz persönlichen Bildern. Die Fotografie ist das Poesiealbum und Tagebuch meines Lebens.