Manfred Voss | Biografie

„Fotografie und Lichtgestaltung – eine Leidenschaft, die mich wieder und wieder aufs Neue überrascht, mich herausfordert und mir absolut einzigartige Momente beschert, die ich außer im Leben mit meiner Familie sonst nirgends so intensiv erfahre.“ (Manfred Voss, 2013)

 

Wie der erste Kuss einer Jugendliebe

Wenn Manfred Voss auf den Auslöser seiner Kamera drückt, liegt ein spannender und langer Weg hinter ihm – im übertragenen und wörtlichen Sinne.

Der Weg beginnt meist mit einem Gefühl, einer Idee, einer Inspiration. Ist das Motiv im Kopf gereift, begibt Voss sich auf die Reise. Es zieht ihn an diesen einen Ort der Welt, den er erleben und in einem einzigen Bild festhalten  möchte. Dort angekommen, sieht er dem kurzen Augenblick entgegen, in dem das Licht der Natur vollkommen ist und dem Motiv eine überwältigende Kraft einhaucht. Er drückt auf den Auslöser und weiß, dass er einen einzigartigen Moment festgehalten hat. Einen Moment voller Magie und Intensität – wie der erste Kuss einer Jugendliebe.

Bibelstunden im Garten

Aufgewachsen ist Voss in Flensburg. Seine ersten Fotos machte er 1970 – im Alter von acht Jahren – mit einer Kamera, die ihm sein Vater geschenkt hatte. Schon damals keimte in ihm die Begeisterung für Landschaftsmotive, die er auf den vielen Familienreisen fotografierte. In der Dunkelkammer im heimischen Keller entwickelte der junge Voss die Prints selbst.

Seine erste eigene Ausstellung zeigte er mit 11 Jahren in einem Flensburger Jugendzentrum. Die Fotos waren auf einer kirchlichen Jugendreise entstanden, heimlich während der täglichen Bibelstunden. Sie drehten sich um Dinge, die den 11-Jährigen mehr bewegten als die eigentliche Bibelstunde: ein angekauter Bleistift, mit Herzen bedruckt und neben einer Bibel im Gras liegend, oder das lockige, sonnendurchflutete Haar eines Mädchens, das im Garten ein Kirchenlied singt. Wieder ist es die Natur, die Voss inspiriert. Hätten die Bibelstunden nicht im Garten, sondern in der Kirche stattgefunden, so weiß Voss heute, hätte er kein einziges Bild gemacht.

Zum ersten Mal Kameramann

Als Voss 15 Jahre alt war, hielt er seine erste komplette, professionelle Spiegelreflexkameraausrüstung in den Händen. Dafür hatte er drei Jahre lang sein gesamtes Taschen- und Geburtstagsgeld gespart und in den drei Sommerferien am Fließband Rumflaschen in Kartons gepackt. Mit 18 fing er an, sich zusätzlich dem Filmen zu widmen. Gemeinsam mit Schulfreunden drehte er einen 90-minütigen Spielfilm – alles auf Zelluloid, wohlgemerkt. Er schrieb das Drehbuch und war Kameramann. Noch nicht wissend, dass erster Kameramann und Lichtdesigner einmal sein Beruf werden sollten, schärfte Voss bereits damals seinen Blick für all das, was Inhalt und Anmutung einer Szene ausmachen. Das ambitionierte Schülerprojekt dauerte eineinhalb Jahre und „nebenbei“ machte Voss das Abitur.

Aufs Meer mit Kamera und Keyboard

Nach dem Abitur ging Voss auf das Segelschulschiff Gorch Fock und reiste neun Monate lang um die Welt. Die winzige Koje, nicht größer als ein Einzelbett, teilte er sich mit seiner kompletten Fotoausrüstung und einem Keyboard. Denn die Musik ist eine weitere große Leidenschaft, die Voss schon seit Kindheitstagen begleitet. Als 6-Jähriger begann er, Klavier zu spielen. Wenig später folgten Klarinette und Saxofon.

Auf der Gorch Fock avancierte Voss schnell zum inoffiziellen Bordfotografen. Er durfte mehrmals mit seiner Kamera den Mast besteigen. So erfüllte sich sein Wunsch, mitten auf dem Atlantik – von der 48 Meter hohen Mastspitze eines fahrenden Segelschiffs – die Erdkugel zu fotografieren.

Neue Licht- und Bilderwelten

Zurück an Land galt es, einen Beruf zu wählen. Voss zog also 1985 nach Düsseldorf und absolvierte das Studium zum Diplom-Ingenieur für Ton- und Bildtechnik mit Spezialisierung auf Licht- und Mediendramaturgie. Schon während des Studiums bekam er einen Job als Kameramann für einen Aral-Werbespot und weitere Filmprojekte. 1988, Voss war gerade mal im fünften Semester, wurde er vom ZDF für die Liveshow „Wetten, dass..?“ engagiert. Nicht nur für Wetten Dass, welches Voss bis zu seinem Ende im Jahr 2014 durchgehend betreute,  vertraut das ZDF den Lichtinszenierungen, die Voss für Künstler wie Kylie Minogue, Robbie Williams, Madonna, David Bowie, Bon Jovi und viele weitere internationale Stars konzipiert und realisiert.

Nicht nur beim ZDF sondern auch für andere TV-Anstalten und Industriekunden ist Voss als Show-Lichtdesigner tätig. Hierzu zählen zum Beispiel Sendungen wie die Echo-Verleihung in der ARD, Schlag den Raab auf PRo7 oder auch Messepräsentationen und Firmenveranstaltungen für Auto- und Pharmakonzerne.

Poesiealbum und Tagebuch des Lebens

Im Leben von Voss war und ist die Fotografie ein ständiger Begleiter – in der Heimat und in der Fremde. Das fotografische Werk des Hanseaten, der seit 2002 in Scharbeutz an der Ostsee lebt, umfasst Motive aus über 30 Ländern. Jedes Bild ist eine Hommage auf die Schönheit der Welt und ein sehr persönlicher Moment des Fotografen.

„Beim Fotografieren folge ich nur mir selbst, reduziere mich auf ein einziges Bild, einen einzigen Moment, den ich gerne mitnehmen möchte – ohne Kompromisse und frei von der allgegenwärtigen Zeitnot der modernen Welt. Was mich innerlich berührt und was ich als Mensch so liebe, zeige ich nur in meinen ganz persönlichen Bildern. Die Fotografie ist das Poesiealbum und Tagebuch meines Lebens.“ (Manfred Voss, 2013)